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-(n)İn farkına varmak

Aktualisiert: 15.05.2018



Verehrte Leserin, verehrter Leser,

auf dieser Seite lesen Sie Einiges über die türkische sprachliche Wendung -(n)İn farkına varmak. Zunächst über ihre Bedeutung und grammatische Struktur.

Es folgen Anwendungsbeispiele, präsentiert als Aufgaben mit Lösungen.

In einem Nachtrag werden die gleichen Sätze der bedeutungsgleichen und etwas einfacheren Wendung fark etmek (+ Akkusativobjekt) direkt gegenübergestellt.


Deutschsprachige Entsprechungen:

  1. jemandes oder etwas (Gen.) gewahr werden
  2. jemanden oder etwas (Akk.) gewahren
  3. jemanden oder etwas (Akk.) wahrnehmen
  4. jemanden oder etwas (Akk.) bemerken
  5. jemanden oder etwas (Akk.) erkennen

Weitere:

      sentire (lat.) —  beware of/to take notice of (engl.) —  apercevoir/s'apercevoir (fr.)




D

ie Verbindung "jemandes/einer Sache gewahr werden" rechnet heute unter das stilistisch als gehoben empfundende Deutsch. Die Verbindung mit "werden" zeigt an, dass nicht auf dem Ergebnis, sondern auf dem Vorgang des Wahrnehmens das Augenmerk liegt. Für die Anwendung der Wendung ist diese Hervorhebung in der Regel ohne Belang.

Ihren traditionellen Platz hat «jemandes/einer Sache gewahr werden» vor allem in klassischen literarischen Texten. Allein für das Werk Goethes ist sie 780-mal nachweislich (vgl. online-Goethe-Wörterbuch der Univ. Trier). Ebenso in philosophischen Abhandlungen, in denen Überlegungen zum Verhältnis von Wahrnehmung und Erkenntnis im Mittelpunkt stehen, so in deutschen Übersetzungen der Schriften Descartes' oder bei Kant. Zahlreiche, nach sehr speziellen Zusammenhängen und Bedeutungen klassifizierte Beispiele, die heute so gut wie niemand mehr bewusst verwendet, finden sich unter dem Stichwort "gewahr" im Wörterbuch der Gebrüder Grimm.


Kasus

Bei sachlichen Objekten wird herkömmlich der Genitiv bevorzugt ("... wurde des Koffers gewahr"), insbesondere in Zeitungstexten findet sich auch eine Verbindung mit dem Akkusativ ("... wurde den Koffer gewahr"). Bei personalen Objekten ist die Rektion – wie schon im 18. Jahrhundert – grundsätzlich schwankend ("... wurde des Kellners/den Kellner gewahr"), selbst bei Personalpronomen.

In der Standard- wie in der Umgangssprache werden heutzutage vor allem "bemerken" (bemerken, bemerkte, bemerkt) oder einfach "merken" (merken, merkte, gemerkt) verwendet. Beide Verben verlangen den Akkusativ. Deutschlerner mit Türkisch als Muttersprache müssen also die Kasusdifferenz beachten, wenn sie farkına varmak (+ Gen.) mit bemerken/merken (+ Akk.) übersetzen.

Das türkische Substantiv "fark" bedeutet "Unterschied"/"Abstand"/"Differenz". "Varmak" ist ein Verb der Bewegung mit der Bedeutung "gelangen zu/kommen zu/erreichen". In der Verbindung «farkına varmak" erhält "fark" die Endung des Richtungsdativs. Somit ist erkennbar, dass auch hier Wahrnehmung im Sinne eines Vorgangs gemeint ist. Die wörtliche Übersetzung ist "zum Unterschied gelangen" (bei der Wahrnehmung einer Teil- gegenüber einer anderen oder umfassenderen Wirklichkeit).

Es existiert auch die Kombination "farkında olmak". Die Lokativendung und das Vollverb "olmak" (sein) orientieren auf das Ergebnis der Wahrnehmung, einen Zustand. Die Verbindung entspricht der deutschen Konstruktion "einer Sache gewahr/gewiss sein" oder umgangssprachlich "sich klar sein (dass ...)".

Wie im Deutschen sind auch im Türkischen bei "gewahr werden" bzw. "farkına varmak" einfache oder nebensatzförmige Ergänzungen möglich.

Einfaches Objekt:
Das Subjekt wird (sich) seiner natürlichen und gesellschaftlichen Abhängigkeit gewahr.
Nebensatzförmiges Objekt:
Das Subjekt wird (sich) (dessen) gewahr, dass es von Natur und Gesellschaft abhängig ist.
Einfaches Objekt: (O) hastalığının  farkına vardı. Er wurde seiner Krankheit gewahr./Er bemerkte seine Krankheit.

Nebensatzförmige Objekte (auch genannt Objektsätze, Ergänzungsssätze, Inhaltssätze) werden bei farkına varmak und farkında olmak grundsätzlich in der gleichen Weise gebildet. Der Kürze der Darstellung halber wird im Folgenden nur noch farkına varmak (gewahr werden/bemerken) berücksichtigt.


Nebensatz (hier: Objektsatz)

Wenn im vorliegenden Zusammenhang von Nebensätzen resp. Objektsätzen leichthin die Rede war bzw. ist, ist zu beachten, dass ein deutscher Nebensatz anders funktioniert als ein türkischer Nebensatz (yan cümle). Genauer müsste man von «türkischen Entsprechungen/Äquivalenten deutscher Nebensätze» sprechen. Die Details sollen hier nicht vorgestellt werden. Interessenten seien die kleinschrittig aufgebauten, deutsch-türkisch komparativen Darstellungen von Rosemarie Neumann & Zühre Şahin-Schmidt in dem vorzüglichen "Übungsbuch Nebensätze Türkisch" (413 S., Reichert 2014) empfohlen.

Die Bildung des Objektsatzes (also des Objektsatzäquivalents) bei farkına varmak geht wie folgt vonstatten:
a) Das Subjekt des Nebensatzes erhält die Genitivendung.
b) Der Stamm des Verbs des Nebensatzes wird mit -dİk- (Vergangenheit/Gegenwart) oder -ecek-(Futur) erweitert, gefolgt von der Personalendung und der Genitivendung. Bei der dritten Person Singular/Plural ist vor der Genitivendung das "pronominale n" einzufügen. Für die Bildung eines von farkına varmak abhängigen Nebensatzes sind also zwei Genitive erforderlich. Muster:



Mit sämtlichen Personalpronomen und Personalsuffixen am Nebensatzverb
(Notation: İ verweist auf die große, E auf die kleine Vokalharmonie):


Auf Basis der "großen Vokalharmonie" (i, ı ü, u) entstehen 24 Varianten. Da bei bestimmten Verben [ Bsp.: etmek] das stammauslautende t eine Konsonantenangleichung beim anschließenden Anlaut von -dİğİ- erfordert [ etmek >>> ettiğinin ], sind 24 weitere Formen möglich. Zudem bestehen, wiederum auf Basis der "großen Vokalharmonie", 24 Formen für das Futur.


Verben mit Genitivobjekt im Türkischen?
Es sei vorsorglich darauf hingewiesen, dass der Genitiv in der Fügung
'Genitiv + fark+Possessivsuffix + Verb'
kein genitivisches Objekt, sondern ein genitivisches Attribut von fark ist.
An diese Feststellung lässt sich die verallgemeinernde Frage anschließen, ob im Türkischen überhaupt Verben mit Genitivobjekten existieren. In ihrer "Türkischen Grammatik für Anfänger und Fortgeschrittene" (2004, p. 21) schreibt E. Rasch über die Tamlayan Durumundaki Tümleç (Genitivergänzung):

Es gibt im Türkischen keine Verben, die den Genitiv regieren. Allerdings gibt es einige wenige als Prädikativum verwendete Nomina oder nominale Bestandteile eines Verbs, die ein Possessivsuffix enthalten. Diese werden mit einem Ausdruck im Genitiv ergänzt ... .

Mit dieser Beschreibung ist auch die Fügung 'Genitiv + fark+Possessivsuffix + Verb' erfasst. Auf dieselbe Weise aufgebaute Verbindungen sind beispielsweise

(n)İn sakıncası olmak (= es ist bedenklich/es bestehen Bedenken)

bir şeyin/kimsenin peşinde olmak (= hinter etwas/jemandem her sein).



Bu cümleler Türkçe ne demek?


Übertragen Sie die folgenden Sätze ins Türkische und verwenden Sie für jeden Satz farkına varmak. Zur Kontrolle klicken Sie auf die unterstrichene Satzpartie.
Nochmaliges Klicken blendet den Text wieder aus.
Um die Lösungssätze ein- und auszublenden, muss die Java-Fähigkeit Ihres Browsers aktiviert sein.


  1. Der Computer ist zehn Jahre alt. Ich bemerke, dass er immer langsamer läuft.


  2. Frau Müller wurde gewahr, dass ihre Tochter sich seit zwei Tagen nicht die Zähne bürstet.


  3. Man war sich bewusst geworden, dass das Gesetz nicht mehr zeitgemäß ist.


  4. Wir gewahrten schnell, von wem er abgeschrieben hatte.
  5. .

  6. Einige von ihnen nehmen nicht wahr (erkennen nicht), was gemeint war/ist.


  7. Allmählich erkannten wir, wie sehr er auf Alkohol angewiesen war/ist.


  8. Als/nachdem Carola, Bernd und Mike erkannt hatten, dass der Dozent faul und desinteressiert ist, verließen sie gestern für immer sein Seminar.


  9. Früher oder später werden sie merken, wie er zu den Daten gelangt ist.


  10. Haben Sie erkannt, was David sagen will?



Nachtrag


A

lternative. – Die Verbindung «farkına varmak» ist durch die inhaltlich verwandte und etwas weniger kompliziert gebaute Verbindung «fark etmek» substituierbar, die ein Akkusativobjekt verlangt.
Noch einmal die vorigen Sätze, wiedergegeben mit beiden türkischen Varianten:

  1. Der Computer ist zehn Jahre alt. Ich bemerke, dass er immer langsamer läuft.
    Bilgisayar on yaşında. Gittikçe daha yavaş çalıştığının farkına varıyorum.
    → Bilgisayar on yaşında. Gittikçe daha yavaş çalıştığını fark ediyorum.

  2. Frau Müller wurde gewahr, dass ihre Tochter sich seit zwei Tagen nicht die Zähne bürstet.
    Bayan Müller, kızının iki gündür dişlerini fırçalamadığının farkına vardı.
    → Bayan Müller, kızının iki gündür dişlerini fırçalamadığını fark etti.

  3. Man war sich bewusst geworden, dass das Gesetz nicht mehr zeitgemäß ist.
    Yasanın artık zamana uygun olmadığının farkına varıldı.
    → Yasanın artık zamana uygun olmadığı fark edildi.

  4. Wir gewahrten schnell, von wem er abgeschrieben hatte.
    Onun kimden kopya çektiğinin hemen farkına vardık.
    → Onun kimden kopya çektiğini hemen fark ettik.

  5. Einige von ihnen nehmen nicht wahr (erkennen nicht), was gemeint war/ist.
    Onlardan birkaçı ne kastedildiğinin farkına varmıyorlar.
    → Onlardan birkaçı ne kastedildiğini fark etmiyorlar.

  6. Allmählich erkannten wir, wie sehr er auf Alkohol angewiesen war/ist.
    Yavaş yavaş alkola ne kadar çok bağımlı olduğunun farkına vardık.
    → Yavaş yavaş alkola ne kadar çok bağımlı olduğunu fark ettik.

  7. Als/nachdem Carola, Bernd und Mike erkannt hatten, dass der Dozent faul und desinteressiert ist, verließen sie gestern für immer sein Seminar.
    Carola, Bernd ve Mike, doçentin tembel ve ilgisiz olduğunun farkına varınca dün semineri tamamen terk ettiler.
    → Carola, Bernd ve Mike, doçentin tembel ve ilgisiz olduğunu fark edince dün semineri tamamen terk ettiler.

  8. Früher oder später werden sie merken, wie er zu den Daten gelangt ist.
    Er geç onun verilere nasıl ulaştığının farkına varacaklar.
    → Er geç onun verilere nasıl ulaştığını fark edecekler.

  9. Haben Sie erkannt, was David sagen will?
    David'in ne demek istediğinin farkına vardınız mı?
    → David'in ne demek istediğini fark ettiniz mi?

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